mod  
  die mods sind heutzutage, wenn man von ihrem stammland england absieht, ein sehr kleine, aber beständige jugendkultur - " sekte " würde es eher treffen. jedenfalls haben die mods seit den sechzigern, meist unbeachtet von den medien, überlebt und zwischendurch immer wieder mal ein ein revival erlebt, wobei das revival in den frühen 80ern, parallel zum punkrock, wohl am erwähnenswertesten ist und von den medien auch als ein solches bemerkt wurde.
dazu später mehr.mod steht für modernist und das ist erst mal eine absolute nullinformation. betrachtet man sich die geschichte der mods, dann sieht man , was ganz am anfang steht: jazz, existenzialismus, bohemia und wieder mal verwirrte jugendliche, oder um es zu konkretisieren: neger, drogensüchtige dandys, judenbengel mit geld, um sich teure anzüge zu leisten, rumlungernde spinner mit schlechtbezahlten jobs und stricher aus der englischen unterschicht.
 
 

natürlich hat das alles schon vor den 60ern begonnen; die jazzer, bebopper und hippen kids der 40er und 50er jahre hatten schon ihre beat generation weit bevor der modernismus geboren wurde. beat ist ursprünglich sinngemäss ein begriff, der aus dem jazz entnommen ist, benennt aber ab den 40er jahren auch eine literarische richtung. als begleitende lektüre ( und überhaupt, weils einfach saugut ist ) empfehle ich die werke von william s. burroughs, boris vian, jack kerouac, allen ginsberg und neal cassady.

be bop !

 

 
  in den 60ern wurde englands arme unterschicht nicht zum ersten mal von armut, tristesse und einer wirtschaftsrezession übel getroffen,
doch diesmal konnten wenigstens einige jugendliche aus der langeweile und dem elend, wenigstens für kurze zeit, in eine phantasiewelt fliehen. sie hatten plötzlich was eigenes, sie konnten
sich abgrenzen - und abgrenzung war wichtig !
ein eigener klamottenstil musste kreiert werden, auch wenn es, wie
die veteranen der ersten stunde berichten, " nirgendwo was vernünftiges zu kaufen gab, das man auch anziehen wollte. "
auch in den 90ern sieht es nicht anders aus:

" unsere musik ist eine ganz klare reaktion zu der situation, in der die englischen jugendlichen leben, gefangen in einem teufelskreis aus arbeitslosigkeit, langeweile, billigen drogen und miesen fernsehsendungen. "

brett anderson, suede

 
 

mod war modetechnisch anfangs ein unbeackertes feld, einen gängigen look oder eine uniformierung gab es nicht, zunächst wurde aus schwulenboutiquen alles rausgekauft, was für den " future - dandy look " brauchbar war, man orientierte sich an den anzügen der jazzer, alles wurde aber noch taillierter und enger geschneidert, ganz nach art des englischen offizierrocks. der anzug musste auf jeden fall eine ablehnung von festgefahrenen konventionen darstellen, er durfte dem chef, dem lehrer oder den eltern nicht gefallen ! das element des selbstkreierten looks mit selbstgenähten klamotten war damals wichtig, man konnte den mod look nicht im laden kaufen, man konnte nur dazugehören, wenn man selbst etwas dafür tun und riskieren wollte.
so ist das auch heute noch, selbst wenn man heutzutage mit massig knete durch die angesagtesten boutiquen europäischer metropolen laufen würde und den " mod style " verlangen würde, das richtige gefühl für authentizität kann man dennoch nicht kaufen.
noch was: mod war personell gesehen eine weisse angelegenheit, wer sich den schwarzen einwanderern aus dem commonwealth noch verbundener fühlte, wurde rudeboy und hörte ska und rocksteady, heute ist diese jugendkultur besser bekannt unter dem namen skinhead. doch das ist eine andere geschichte, auf die ich später zurückkomme...

parallel zu den anfängen der modkultur entstand in frankreich und italien ein neues kino , einer smartness und wildheit verpflichtet, welche man bis dato so noch nicht gesehen hatte.
schaut euch mal ausser atem mit jean seberg und jean paul belmondo an, dann habt ihr eine ahnung davon, wie hoch die latte für coolness anfang der 60er jahre von den franzosen gelegt wurde.
das tragen von französischen attributen ( baskenmützen ), das lesen von französischen tageszeitungen
( auch wenn man kein wort verstand ) im strassencafe, das auftragen von italienischen anzügen war plötzlich das non plus ultra für den modebewussten stylisten. natürlich gab es auch weibliche mods,
die modettes , aber frauen, obwohl sie einen eigenwilligen chic entwickelten, schienen in dieser szene nicht im mittelpunkt zu stehen. denn das motto lautete: jeder ist sein eigener star ! hedonismus und ästhetik waren das hohe gut. und mehr: die mods trugen auch mal schminke. jawohl, die jungs! jetzt hat man auch eine blasse ahnung, von wem sich die waver und gothiks der 80er ihren romantik - look abgeschaut haben. die mods waren nicht nur " die ersten dandies der popkultur " ( zitat aus dem film velvet goldmine ), sondern pflegten auch einen androgynen look, welcher aus dem cabaret und der homoszene kam und seine überhöhung in den 70ern im glam rock fand.

coco chanel war schon lange eine ikone der modeszene, doch für die mods waren junge designer die wahren stars. heute grosse und auch teilweise vergessene namen, wie yves st. laurent, zandra rhodes, rudi gernreich, pierre cardin, luigi colani oder verner panton kreierten aus jugendstil, science fiction, psychedelic, asiatischen einflüssen, neuer sachlichkeit, futurismus, plastik, bauhaus und hunderten anderen versatzstücken einen neuen stil für mode, möbel und design der 60er jahre, welcher heute noch als modernismus bezeichnet werden könnte.

 
  die musik der mods war auf gar keinen fall die langweilige skiffle - , schlager - und unterhaltungsmusik der elterngeneration, für die mods musste es eine musik sein, zu der man auf drogen die ganze nacht abgehen konnte und die eigenen wünsche, sorgen und verlorenheit adäquat wiedergab; jazz, schwarzer soul, rhythm and blues, weisser beat mit schwarzen einflüssen und garage !

" rockmusik war für mich immer der flucht - punkt für jugendliche, asoziale und von der gesellschaft ausgestossene, rock muss also radikal sein ! aber schaut euch mal bryan adams an, das ist kein rock`n`roll. "

bobby gillespie, primal scream

 
  das kommt euch gar nicht so unbekannt vor ? richtig ! die mods waren die ersten raver ! früher haben die schwarzen in ihren jazzclubs das ganze wochenende gas gegeben, jetzt hatten die weissen kids und hipster auch eine eigene szene! in den 50er jahren wurde rockmusik noch verfolgt und schallplatten von bill haley oder jerry lee lewis öffentlich verbrannt, so wie die nazis bücher von erich kästner ins feuer warfen. weisse jugendliche durften damals noch nicht mal eine gospelschallplatte von einem schwarzen interpreten in einem " schwarzen " schallplattenladen kaufen, elvis presley musste sich als jugendlicher heimlich in eine schwarze kirche schleichen, um endlich musik hören zu können, welche er als die beste bezeichnete, die es überhaupt gab. entweder konnte man sich beim flippern in der milchbar aus der jukebox ritchie valens anhören, oder man war darauf angewiesen mit einem partner zu einem rock`n´roll - tanzabend zu gehen. wer alleine getanzt hätte, wäre komisch angeguckt worden.
in den 60ern war der bann gebrochen, die mods hatten sich ihre eigene szene geschaffen, sie hörten nur die musik, die sie auch wirklich hören wollten und tanzten dazu so wild und eigenständig, wie sie wollten. man entwendete heimlich den müttern die aufputschmittel ( zumeist amphetamine ) aus dem badezimmer - schränkchen und ging die ganze nacht tanzen, möglichst gut gekleidet, versteht sich... die zahl der, mit familie und beruf überforderten, mütter, welche sich nur noch mit uppern und downern zu helfen wussten, war in england erschreckend hoch. so hoch sogar, dass die englischen gesundheitsbehörden herausfanden, dass anfang der 60er mehr als die hälfte der englischen hausfrauen drogen auf rezept nahmen. die rolling stones thematisierten diesen missstand in ihrem song mother´s little helper . das auch wieder ein beweis dafür, dass nicht die jugendlichen krank und desorientiert waren, sondern die ganze gesellschaft.
 
 

auf dem weg in den club nahm der mit blauen pillen gut eingedeckte youngster noch die freundin mit auf die maschine, doch das durfte kein dreckiges motorrad sein, oh nein, für einen mod kamen nur zwei gefährte aus dem mondänen italien in frage: vespa und lambretta ! ein stylischer motorroller musste es sein, bestenfalls genauso einer, wie ihn audrey hepburn 1953 in roman holiday , ihrem allerersten film, durch die strassen der italienischen metropole lenkte. in den 50ern war die vespa schon längst angesagt bei den jungen, nach mobilität und unabhängigkeit strebenden, italienern. in den 60ern entdeckte die jugend europas das formschöne gefährt für sich, doch die englischen mods machten die maschine zu einem kultobjekt.

the who, eine band die, damals noch unter dem namen the high numbers firmierte, war von anfang an dabei war und dokumentierte die damalige modszene in dem 1979 in die kinos gekommenen film quadrophenia.die englische erfolgsband kann damit wohl, wenigstens zu einem grossen anteil, für das modrevival in den folgenden 80er jahren verantwortlich gemacht werden.


der beweis: gregory peck war mod !

 
 

ohne das aufflammen von punkrock jedoch hätte es das modrevival wahrscheinlich nicht gegeben ( wichtige bands: the jam, the secret affair, squire, the purple hearts, the chords, the merton parkas, the mods, the small hours, back to zero ) aber eigentlich sind alle wichtugen englischen jugendkulturen der 60er zwei jahrzehnte später im fahrwasser von punk wiederbelebt worden, auch die skinheads ( oder auch rudeboys ) hatten in den 80ern ihr grosses comeback !
leider hatte sich diese bewegung, ursprünglich ein abkömmling der mods, von ihren jamaikanischen und karibischen wurzeln entfremdet und sich ab den 70ern von dem britischen neofaschismus , v.a. von der BNP,
( britisch national party ), instrumentalisieren lassen. diese fehlgeleiteten waren ohne bezug zu der herkunft ihrer kultur, ursprünglich waren die skinheads eine linksgerichtete jugendbewegung, die sich mit sozial schwachen und andersfarbigen solidarisierte. somit kehrte sich ein teil der skins gegen ihren ursprünglichen geist und so wurde, auch aufgrund einseitiger darstellung in den medien, sogar zum synonym für das neonazitum ! erfreulicherweise hat die entwicklung der 90er gezeigt, dass die echten skinheads sich ideologisch wieder auf ihre wurzeln zurückbesonnen haben und ihre eigene szene weitgehend von rechtsradikalen elementen gesäubert haben.
neonazis die sich als skinheads bezeichnen, können nicht ernst genommen werden, schon äusserlich kann man ihnen ansehen, dass sie keine ahnung von der skinheadkultur haben. echte skinheads dagegen, werden, nicht nur ihrer robusten art wegen, von den mods akzeptiert, weil alle mods um den kulturellen hintergrund der skinheadbewegung wissen.
ausserdem schätzen viele von ihnen die musik der skins und umgekehrt, sowohl im musikgeschmack als auch in der kleidung beider gruppen finden sich viele überschneidungen.

in den 80er jahren hat es in deutschland oft ärger zwischen mods und skins gegeben, aber das ist völlig zu den akten gelegt, heutzutage ist es kein ungewöhnliches bild, wenn mods, skins, teds, punks und andere friedlich dem gleichen konzert lauschen, wobei die mods eigentlich ein traditionelles feindbild aus den 60ern hatten: die rocker! die unglaublichen ausschreitungen zu denen es in den 60ern am strand von brighton kam, sind ebenfalls in dem film quadrophenia dokumentiert. doch auch das ist vorbei - heutzutage ist es dem durchschnittsmod bestimmt wichtiger, sein vergoldetes zigarettenetui nicht zu vergessen, anstatt noch einen baseballschläger mit auf den roller zu packen.
einhergehend mit der mod - attitüde ist nicht nur wichtig zu erwähnen, welche kleidung, haarschnitt und accessoirs der mod für essentiell hält, auch gepflegte umgangsformen, höflichkeit und eine gewisse dandy - hafte gefühlskälte gehören dazu, wobei der letzte punkt heutzutage in die mottenkiste der altsünden verbannt wurde. wenn heutzutage ein haufen gutangezogener mods in lautes lachen ausbricht oder sich bewusst, um der party willen, danebenbenimmt, dann ist das nicht mehr ein fauxpas wie seinerzeit...

eine weitere abspaltung von den mods sind die scooterboys, welche sich primär für das rollerfahren
( und bier ) interessieren, den kleidungsstil der mods aber nicht übernommen haben, man könnte sie, über den daumen betrachtet, als skinheads auf rollern bezeichnen. die scooterszene setzt sich augenscheinlich aus den ganz harten jungs zusammen, selbst gestandene altrocker haben nach dem beiwohnen auf einem rollertreffen ( für eingeweihte auch: scooterrun ) geäussert, dass " ein motorradtreffen dagegen rüberkommt, wie ein kindergartenfest ".
zum rahmenprogramm eines ausgewachsenen scooteruns gehört, neben rollerfussball, burnouts, saufspielen und dem berüchtigten " wheel of kotze ", immer ein anständiger soulnighter, auf dem auch skaklänge nicht verschmäht werden. scooterboys sind treue anhänger des northern soul, wer zu dieser musik mehr wissen möchte, kann auf unserer seite in der oberen leiste den dunkelroten button rare soul anklicken.

die 80er jahre haben den mods, wie schon erwähnt, ein revival beschert, dieses revival hat dem begriff mod allerdings wiederrum einen neuen interpretationrahmen gegeben, die kleidung, die musik, einiges hatte sich seit der 60er weiterentwickelt und teilweise sehr verändert, die vermischung des ursprünglichen stils mit skin - und punkattitüde war unübersehbar, bewahrte die szene aber auch davor, nachhaltig zu verstauben. mods, die heutzutage den ganz klassischen stil pflegen und den guten anzug überstreifen, werden oft auch als stylisten oder 60s mods bezeichnet, sogar der begriff retro - mod fiel schon.
obwohl rein sinngemäss die wörter modern und retro nichts im gleichen begriff zu suchen haben, scheint die feststellung, dass es " retros " gibt, ein dilemma auszudrücken, nämlich, dass eine jugendbewegung, die sich einst dem modernen und zukunftsgerichteten verschrieben hat, jetzt konservativ, rückwärtsgewandt und romantisch sein könnte. zudem kann man kaum noch von einer jugendkultur sprechen ( ich beschränke mich auf die deutsche situation ), wenn man sich nämlich die altersstruktur der szene mal unter die lupe nimmt, dann wird einem bewusst, dass der anteil der über - dreissig - jährigen grösser ist, als der vom frischen blut, das nachkommt. ob dies an der abgrenzung der szene nach aussen oder an anderen faktoren liegt, das ist die 64.000 € - frage. sind die mods überholt ? muss es dass noch geben ? sind die mods dinosaurier, die der evolution tribut zollen müssen ? wir werden sehen...

die modszene ist, wie schon erwähnt, heutzutage noch extrem rückwärtsgerichtet und althergebrachten konventionen verpflichtet. nur wenn sich die szene an ihre ursprüngliche intention, erinnert, nämlich das durch und durch " moderne " in sich aufzunehmen, dann wird sie ihrem anspruch gerecht. wenn heutzutage gefragt wird: was ist der mod - stil ? was ist der mod - sound ?, dann werden zumeist olle kamellen herangezogen, um erklärungen zu liefern, schaut in meinen text, dort wird bisher eigentlich nur über die alten zeiten gesprochen, das reicht aber nicht ! wenn nach mod - musik gefragt wird, werden alte bands wie die small faces, the who oder the jam aufgeführt, obwohl das thema noch so viel anderes bietet.

es wird zeit für eine kurzdefinition. wichtig zu wissen ist, dass es seinerzeit den begriff mod nicht gab, die small faces haben sich nicht zwangsläufig als mods gesehen, die mods der 60er zumeist auch nicht.
die musik, die angesagt war, wurde nicht mod - sound genannt, alle stile die damals als hip bezeichnet wurden, alles was vereinnahmt wurde, egal ob jazz, bowlingschuhe oder beathaarschnitte, hat im endeffekt den mod style geprägt ( und nicht umgekehrt ). dieser prozess ist nicht beendet ! der sogenannte mod - stil wird nicht zur stagnation kommen, weil die wahren hipster und trendsetter innerhalb von szenen, auch dieser szene, sich nicht zum rückschritt bekennen werden, sondern zu den modernen zeiten, in denen sie leben.

die kurzdefinition lautet ganz einfach: MOD IST ALLES, WAS MODS MACHEN

dem nachdenkenden leser wird auffallen, dass der begriff " mod " in dieser definition beliebig ersetzbar ist, so nach dem muster: " schwul ist alles, was schwule machen " oder wahlweise " italienisch ist alles, was italiener machen ". das ist, wobei die definition immer noch völlig richtig ist, auch der beweis dafür, dass der begriff " mod " eine leere hülse ist ( und somit die definition langfristig zu einer blöden karikatur verkommen könnte, wenn denn inhaltslosigkeit herrschen würde ), eine hülse, welche wahlweise durch tradition oder fortschritt gefüllt werden kann, die interpretierbarkeit der inhalte ist anscheinend sehr hoch, aber genau das ist es, worum es den aktiven kräften ( in jeder szene ) geht und gehen sollte. je nachdem, womit die hülse gefüllt werden wird, ob mit echten inhalten oder nur mit falscher romantik, wird darüber entscheiden, ob die definition hält und der geist der sache bestand hat.

die modernen zeiten: beispiele für das voranschreiten von mod gibt es genug, das mod revival um 1980 herum ist nicht die letzte erwähnenswerte station, denn ende der 80er entstand ( in manchester ) etwas, dass den spirit der mods aufgriff und ihn in ungeahnte höhen katapultierte, man kann ohne übertreibung behaupten, dass die 90er jahre schon 1987 begannen... ich sage nur rave. ich rufe nur acid house !
die musik von englischen bands wie primal scream, happy mondays, the charlatans, james, psychedelic furs, inspiral carpets, the stone roses oder spaceman 3 war durch und durch vom geist der 60er beseelt, unübersehbar von mod beeinflusst, hat jedoch durch die neue und moderne musik der 80er erst ihre initialzündung erhalten. nicht nur garage, psychedelic und progressive rockmusik der 60er und 70er, sondern ebenso house, garagehouse, techno, hiphop, dub und electro haben untrüglich dazu beingetragen, den sound der wohl bedeutendsten bands der späten 80er bis frühen 90er zu formen. aus dieser vermischung ist die vitalste und wichtigste musik und jugendkultur der 90er entstanden: rave. speziell in deutschland haben wir aber von dem facettenreichtum dieser kultur sehr wenig mitbekommen, speziell techno wurde hier frühzeitig extrem kommerzialisiert und eine karikatur seiner selbst, besonders bewegende beispiele dafür sind die ( völlig unkommerzielle ) loveparade, die mayday raves, hochqualitäts - technoclubs wie das poison in düsseldorf oder die unvergesslichen " hits " von extrem talentierten djs wie maruscha, kapellen wie dune und 2 unlimited oder ausnahmesängerinnen wie blümchen.
in the house: speziell zu vocal house, deep house und garage house ist festzustellen, dass diese spielarten der modernen elektronischen musik definitiv die fortführung von soul sind. northern soul / rare soul ( wie schon erwähnt, ein artikel zu diesem ausufernden thema findet sich in der oberen leiste unter rare soul ) ist im sinne der 60er in jedem punkt vergleichbar mit zeitgenössischer housemusik; v.a. in sachen undergroundfaktor, drogenkompartibilität, tanzbarkeit und " seelenvollen " vocals. jeder house dj von format weiss von alten einflüssen zu berichten: curtis mayfield, bobby womack, james brown, deep soul, motown soul, funk, kraftwerk, 80s wave, salsoul, nuyorican latin, conga - sessions, ethno - drumming, human league, grandmaster flash, afrika bambataa, esg, jamaicanische rocksteady klassiker...
exkurs zu house: wie der name house schon sagt,
ist diese musikrichtung nicht in der disco entstanden.
im gegensatz und in ablehnung zu kommerziellen klängen, haben einige stilprägenden protagonisten in chicago und detroit, vergleichbar mit dem 60er jahre soul, das heft in die hand genommen, und haben einen rauheren, unverfälschteren und " echteren " sound gesucht. im gegensatz zum untergrund - soul der 60er jedoch haben die amerikanischen innovatoren die aufkommenden technischen möglichkeiten des sampling genutzt und die bedingungen für djs extrem verändert. house oder auch die houserichtung garage sind " zu hause " entstanden, privatparties waren der rahmen für die weiterentwicklung, bevor das mischpult und die, von hiphop - pionieren entwickelten, techniken es möglich machten, aus versatzstücken von alter schwarzer musik und europäischer elektronischer avantgarde, eine völlig neue musik zu kreieren. ausser der eigenen hütte boten auch leerstehende lagerhäuse, alte industriegebäude und garagen den kommerziellen vergnügungstempeln die stirn. der unbeholfene charme dieser anfangstage wird durch viele anekdoten unterstrichen, z.b wenn altgediente dj legenden erzählen, dass die geschwindigkeit einer kraftwerk - schallplatte am plattenteller mit dem daumen ( ! ) reguliert wurde, um ein zusammenmischen mit den vocals einer soulplatte zu ermöglichen.
exkurs ende
in den späten 80ern und in den 90ern war elektronische musik v.a in england nicht mehr länger nur billige tanzmusik, sondern wurde von einigen speerspitzen des genres zur kunstform erhoben, besonders erwähnenswert:: the orb, the prodigy, orbital, material, bomb the bass, the shamen, LFO, 808 state, a guy called gerald, new order, massive attack, the KLF, adrian sherwood, coldcut und aphex twin.

die modernen zeiten - teil 2: in den 90er jahren kehrte ein teil der englischen musikschaffenden der elektronik den rücken und nahm wieder vermehr die klampfe in die hand, bekannt geworden ist das alles unter dem leicht beschränkten schlagwort britpop, von dem ich nicht gedacht hätte, dass ich es weiterhin benutzen müsste. die bands heissen bekannterweise oasis, pulp, blur, elastica, ash, dodgy, suede, the verve, ocean colour scene, radiohead oder supergrass und sowohl ihre optische erscheinung, wie auch der sound ihrer musik war ohne jeden zweifel primär von den englischen 60ern beeinflusst. im vergleich zu den sogenannten
" ravebands " der späten 80er / frühen 90er war der sound der britpop - kapellen allerdings in teilen wesentlich poppiger, radiotauglicher und soundtechnisch auch eher ein rückschritt. eine band wie supergrass z.b. hat definitiv hervorragende platten eingespielt und grossartige musik erschaffen, doch wie die meisten ihrer zeitgenossen, kann man die 3 boys aus oxford als retroband bezeichnen.

o.k, o.k., ich weiss, einige von euch werden sich jetzt fragen: " the prodigy? grandmaster flash? norbert blüm? was hat die ganze scheisse jetzt bitte noch mit mod zu tun? wo bleiben berichte über paisleyhemden, hipster - hosen und die gottverdammten small faces ? "
eben, darum gehts ja, das war die vergangenheit, die wir in ehren halten, aber in der hülse des modernismus ist noch so viel platz, dass wir in unbedingt in die zukunft schauen müsen, denn die zukunft ist, das ist ja das schöne daran, ( beinahe ) unendlich !
übrigens: falls ihr mal keith flint von the prodigy freitag nachmittags bei aldi trefft, dann fragt ihn mal, was er so jugendkulturmässig gemacht hat als er jung war ;-)

 
  das gilt nicht nur für den mittlerweile extrem punkigen keith, sondern auch für einige andere prominente wie david bowie, rod stewart, marc bolan oder jil sander. ein blick in den katalog der jil sander sommerkollektion von 2004 ist ein beispiel dafür, wie modeschöpfer ihre alten einflüsse wiederaufnehmen und versuchen, etwas zeitgemässes daraus zu machen.
generell ist zu beobachten, dass der trend zu sport - edelmarken immer stärker geworden ist, so kostet ein limitierter schuh von puma, paul frank oder converse manchmal mehr als ein rahmengenähter lederschuh, oder eine zipper - sportjacke von ben sherman, fred perry oder sergio tacchini mehr als ein gutsitzendes jacket.
wer sich die pressefotos von blur oder oasis anschaut, dem wird aufgehen, dass nicht nur ghettokids, sondern auch hipster zur fila - trainingsjacke greifen. die mods sind sportlicher geworden und haben sich dem zeitgeist dadurch auch mehr zugetan.
mittlerweile ist sogar die gegenbewegung eingetreten, denn man kann

ein beispiel für jil sanders modstyle
aus der männer sommerkollektion 04

 
 

im jahre 2004 hunderte von hiphoppern oder technos mit dem angeblichen " eigentlichen erkennungs -
zeichen " aller mods herumlaufen sehen: dem parka ! eine umfrage in england hatte ergeben, dass von 100 befragten, die meisten den begriff " mod " nicht mit musik, vespa oder anzügen verbanden, sondern mit dem klassischen grünen fishtail -parka mit aufgestztem kaputzenpelz. wieder einmal werden die mods eines symbols entledigt, das bald keins mehr sein wird, aber was solls. wenn es das bestreben einer szene ist, sich modisch abzusetzen, genug möglichkeiten dazu findet man allemal.
der parka war übrigens von jeher nie der verbindliche " uniform - mantel " der mods, er erfüllt nur den zweck, dass man, während man auf seinem roller sass, einen mantel hatte, der vor dem fahrtwind schützte und, der nicht zu schade war, um sich draufknien zu können, wenn man seine mühle unterwegs reparieren musste. das passierte übrigens, laut berichten von passionierten kennern der technik von scootern, bei modellen von lambretta wesentlich öfter als bei der robusten vespa.

die (pseudo -) analyse in den " modernen zeiten " soll allerdings nicht bedeuten, dass jeder schlecht angezogene - , pillenverseuchte - , von lautmusik - konsum malle gemachte - und des sprechens eines zusammenhängenden satzes unkundige technospack, als geistiger nachfolger des klassischen mods bezeichnet werden könnte oder dürfte ( ein gesundes stilempfinden und haltung sind nach wie vor unverzichbar), sie soll aber verdeutlichen, dass mod heute noch mehr ist als eine realitätsfremde späthippie - geschichte... mod war der bodensatz für beinahe jede jugendbewegung und musikavantgarde im vereinigten königreich und auch später in mitteleuropa.