| mod | |||
| die
mods sind heutzutage, wenn man von ihrem stammland england absieht, ein
sehr kleine, aber beständige jugendkultur - " sekte " würde
es eher treffen. jedenfalls haben die mods seit den sechzigern, meist unbeachtet
von den medien, überlebt und zwischendurch immer wieder mal ein ein
revival erlebt, wobei das revival in den frühen 80ern, parallel zum
punkrock, wohl am erwähnenswertesten ist und von den medien auch als
ein solches bemerkt wurde. dazu später mehr.mod steht für modernist und das ist erst mal eine absolute nullinformation. betrachtet man sich die geschichte der mods, dann sieht man , was ganz am anfang steht: jazz, existenzialismus, bohemia und wieder mal verwirrte jugendliche, oder um es zu konkretisieren: neger, drogensüchtige dandys, judenbengel mit geld, um sich teure anzüge zu leisten, rumlungernde spinner mit schlechtbezahlten jobs und stricher aus der englischen unterschicht. |
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natürlich hat das alles schon vor den 60ern begonnen; die jazzer, bebopper und hippen kids der 40er und 50er jahre hatten schon ihre beat generation weit bevor der modernismus geboren wurde. beat ist ursprünglich sinngemäss ein begriff, der aus dem jazz entnommen ist, benennt aber ab den 40er jahren auch eine literarische richtung. als begleitende lektüre ( und überhaupt, weils einfach saugut ist ) empfehle ich die werke von william s. burroughs, boris vian, jack kerouac, allen ginsberg und neal cassady. |
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| in
den 60ern wurde englands arme unterschicht nicht zum ersten mal von armut,
tristesse und einer wirtschaftsrezession übel getroffen, doch diesmal konnten wenigstens einige jugendliche aus der langeweile und dem elend, wenigstens für kurze zeit, in eine phantasiewelt fliehen. sie hatten plötzlich was eigenes, sie konnten sich abgrenzen - und abgrenzung war wichtig ! ein eigener klamottenstil musste kreiert werden, auch wenn es, wie die veteranen der ersten stunde berichten, " nirgendwo was vernünftiges zu kaufen gab, das man auch anziehen wollte. " |
auch
in den 90ern sieht es nicht anders aus:
"
unsere musik ist eine ganz klare reaktion zu der situation, in der die
englischen jugendlichen leben, gefangen in einem teufelskreis aus arbeitslosigkeit,
langeweile, billigen drogen und miesen fernsehsendungen. " brett anderson, suede |
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mod
war modetechnisch anfangs ein unbeackertes feld, einen gängigen look
oder eine uniformierung gab es nicht, zunächst wurde aus schwulenboutiquen
alles rausgekauft, was für den " future - dandy look "
brauchbar war, man orientierte sich an den anzügen der jazzer, alles
wurde aber noch taillierter und enger geschneidert, ganz nach art des
englischen offizierrocks. der anzug musste auf jeden fall eine ablehnung
von festgefahrenen konventionen darstellen, er durfte dem chef, dem lehrer
oder den eltern nicht gefallen ! das element des selbstkreierten looks
mit selbstgenähten klamotten war damals wichtig, man konnte den mod
look nicht im laden kaufen, man konnte nur dazugehören, wenn man
selbst etwas dafür tun und riskieren wollte. parallel
zu den anfängen der modkultur entstand in frankreich und italien
ein neues kino , einer smartness und wildheit
verpflichtet, welche man bis dato so noch nicht gesehen hatte. coco chanel war schon lange eine ikone der modeszene, doch für die mods waren junge designer die wahren stars. heute grosse und auch teilweise vergessene namen, wie yves st. laurent, zandra rhodes, rudi gernreich, pierre cardin, luigi colani oder verner panton kreierten aus jugendstil, science fiction, psychedelic, asiatischen einflüssen, neuer sachlichkeit, futurismus, plastik, bauhaus und hunderten anderen versatzstücken einen neuen stil für mode, möbel und design der 60er jahre, welcher heute noch als modernismus bezeichnet werden könnte. |
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| die musik der mods war auf gar keinen fall die langweilige skiffle - , schlager - und unterhaltungsmusik der elterngeneration, für die mods musste es eine musik sein, zu der man auf drogen die ganze nacht abgehen konnte und die eigenen wünsche, sorgen und verlorenheit adäquat wiedergab; jazz, schwarzer soul, rhythm and blues, weisser beat mit schwarzen einflüssen und garage ! |
" rockmusik war für mich immer der flucht - punkt für jugendliche, asoziale und von der gesellschaft ausgestossene, rock muss also radikal sein ! aber schaut euch mal bryan adams an, das ist kein rock`n`roll. " bobby gillespie, primal scream |
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| das
kommt euch gar nicht so unbekannt vor ? richtig ! die mods waren die ersten
raver ! früher haben die schwarzen
in ihren jazzclubs das ganze wochenende gas gegeben, jetzt hatten die weissen
kids und hipster auch eine eigene szene! in den 50er jahren wurde rockmusik
noch verfolgt und schallplatten von bill haley oder
jerry lee lewis öffentlich verbrannt, so wie die nazis bücher
von erich kästner ins feuer warfen. weisse
jugendliche durften damals noch nicht mal eine gospelschallplatte von einem
schwarzen interpreten in einem " schwarzen " schallplattenladen
kaufen, elvis presley musste sich als jugendlicher
heimlich in eine schwarze kirche schleichen, um endlich musik hören
zu können, welche er als die beste bezeichnete, die es überhaupt
gab. entweder konnte man sich beim flippern in der milchbar aus der jukebox
ritchie valens anhören, oder man war darauf
angewiesen mit einem partner zu einem rock`n´roll - tanzabend zu gehen.
wer alleine getanzt hätte, wäre komisch angeguckt worden. in den 60ern war der bann gebrochen, die mods hatten sich ihre eigene szene geschaffen, sie hörten nur die musik, die sie auch wirklich hören wollten und tanzten dazu so wild und eigenständig, wie sie wollten. man entwendete heimlich den müttern die aufputschmittel ( zumeist amphetamine ) aus dem badezimmer - schränkchen und ging die ganze nacht tanzen, möglichst gut gekleidet, versteht sich... die zahl der, mit familie und beruf überforderten, mütter, welche sich nur noch mit uppern und downern zu helfen wussten, war in england erschreckend hoch. so hoch sogar, dass die englischen gesundheitsbehörden herausfanden, dass anfang der 60er mehr als die hälfte der englischen hausfrauen drogen auf rezept nahmen. die rolling stones thematisierten diesen missstand in ihrem song mother´s little helper . das auch wieder ein beweis dafür, dass nicht die jugendlichen krank und desorientiert waren, sondern die ganze gesellschaft. |
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auf
dem weg in den club nahm der mit blauen pillen gut eingedeckte youngster
noch die freundin mit auf die maschine, doch das durfte kein dreckiges
motorrad sein, oh nein, für einen mod kamen nur zwei gefährte
aus dem mondänen italien in frage: vespa
und lambretta
! ein stylischer motorroller musste es sein, bestenfalls genauso einer,
wie ihn audrey hepburn 1953 in roman
holiday , ihrem allerersten film, durch die strassen der italienischen
metropole lenkte. in den 50ern war die vespa schon längst angesagt
bei den jungen, nach mobilität und unabhängigkeit strebenden,
italienern. in den 60ern entdeckte die jugend europas das formschöne
gefährt für sich, doch die englischen mods machten die maschine
zu einem kultobjekt. |
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ohne
das aufflammen von punkrock jedoch hätte
es das modrevival wahrscheinlich nicht gegeben ( wichtige bands: the
jam, the secret affair, squire, the purple hearts, the chords, the merton
parkas, the mods, the small hours, back to zero ) aber eigentlich
sind alle wichtugen englischen jugendkulturen der 60er zwei jahrzehnte
später im fahrwasser von punk wiederbelebt worden, auch die skinheads
( oder auch rudeboys ) hatten in den 80ern
ihr grosses comeback ! in
den 80er jahren hat es in deutschland oft ärger zwischen mods und
skins gegeben,
aber das ist völlig zu den akten gelegt, heutzutage ist es kein ungewöhnliches
bild, wenn mods, skins, teds, punks und andere friedlich dem gleichen
konzert lauschen, wobei die mods eigentlich ein traditionelles feindbild
aus den 60ern hatten: die rocker! die unglaublichen
ausschreitungen zu denen es in den 60ern am strand von brighton kam, sind
ebenfalls in dem film quadrophenia dokumentiert.
doch auch das ist vorbei - heutzutage ist es dem durchschnittsmod bestimmt
wichtiger, sein vergoldetes zigarettenetui nicht zu vergessen, anstatt
noch einen baseballschläger mit auf den roller zu packen. eine
weitere abspaltung von den mods sind die scooterboys,
welche sich primär für das rollerfahren die
80er jahre haben den mods, wie schon erwähnt, ein revival beschert,
dieses revival hat dem begriff mod allerdings wiederrum einen neuen interpretationrahmen
gegeben, die kleidung, die musik, einiges hatte sich seit der 60er weiterentwickelt
und teilweise sehr verändert, die vermischung des ursprünglichen
stils mit skin - und punkattitüde war unübersehbar, bewahrte
die szene aber auch davor, nachhaltig zu verstauben. mods, die heutzutage
den ganz klassischen stil pflegen und den guten anzug überstreifen,
werden oft auch als stylisten oder 60s
mods bezeichnet, sogar der begriff retro
- mod fiel schon. die
modszene ist, wie schon erwähnt, heutzutage noch extrem rückwärtsgerichtet
und althergebrachten konventionen verpflichtet. nur wenn sich die szene
an ihre ursprüngliche intention, erinnert, nämlich das durch
und durch " moderne " in sich aufzunehmen, dann wird sie ihrem
anspruch gerecht. wenn heutzutage gefragt wird: was ist der mod - stil
? was ist der mod - sound ?, dann werden zumeist olle kamellen herangezogen,
um erklärungen zu liefern, schaut in meinen text, dort wird bisher
eigentlich nur über die alten zeiten gesprochen, das reicht aber
nicht ! wenn nach mod - musik gefragt wird, werden alte bands wie die
small faces, the who
oder the jam aufgeführt, obwohl das
thema noch so viel anderes bietet. es
wird zeit für eine kurzdefinition. wichtig
zu wissen ist, dass es seinerzeit den begriff mod nicht gab, die small
faces haben sich nicht zwangsläufig
als mods gesehen, die mods der 60er zumeist auch nicht. die
modernen zeiten: beispiele für das voranschreiten
von mod gibt es genug, das mod revival um 1980 herum ist nicht die letzte
erwähnenswerte station, denn ende der 80er entstand ( in manchester
) etwas, dass den spirit der mods aufgriff und ihn in ungeahnte höhen
katapultierte, man kann ohne übertreibung behaupten, dass die 90er
jahre schon 1987 begannen... ich sage nur rave.
ich rufe nur acid house ! die
modernen zeiten - teil 2: in den 90er jahren
kehrte ein teil der englischen musikschaffenden der elektronik den rücken
und nahm wieder vermehr die klampfe in die hand, bekannt geworden ist
das alles unter dem leicht beschränkten schlagwort britpop,
von dem ich nicht gedacht hätte, dass ich es weiterhin benutzen müsste.
die bands heissen bekannterweise oasis, pulp, blur,
elastica, ash, dodgy, suede, the verve, ocean colour scene, radiohead
oder supergrass und sowohl ihre optische
erscheinung, wie auch der sound ihrer musik war ohne jeden zweifel primär
von den englischen 60ern beeinflusst. im vergleich zu den sogenannten
o.k,
o.k., ich weiss, einige von euch werden sich jetzt fragen: " the
prodigy? grandmaster flash? norbert
blüm? was hat die ganze scheisse jetzt bitte noch mit mod
zu tun? wo bleiben berichte über paisleyhemden, hipster - hosen und
die gottverdammten small faces ? " |
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| das
gilt nicht nur für den mittlerweile extrem punkigen keith, sondern
auch für einige andere prominente wie david bowie,
rod stewart, marc bolan oder jil sander.
ein blick in den katalog der jil sander sommerkollektion von 2004 ist ein
beispiel dafür, wie modeschöpfer ihre alten einflüsse wiederaufnehmen
und versuchen, etwas zeitgemässes daraus zu machen. generell ist zu beobachten, dass der trend zu sport - edelmarken immer stärker geworden ist, so kostet ein limitierter schuh von puma, paul frank oder converse manchmal mehr als ein rahmengenähter lederschuh, oder eine zipper - sportjacke von ben sherman, fred perry oder sergio tacchini mehr als ein gutsitzendes jacket. wer sich die pressefotos von blur oder oasis anschaut, dem wird aufgehen, dass nicht nur ghettokids, sondern auch hipster zur fila - trainingsjacke greifen. die mods sind sportlicher geworden und haben sich dem zeitgeist dadurch auch mehr zugetan. mittlerweile ist sogar die gegenbewegung eingetreten, denn man kann |
ein
beispiel für jil sanders modstyle |
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im jahre 2004
hunderte von hiphoppern oder technos mit dem angeblichen " eigentlichen
erkennungs - die
(pseudo -) analyse in den " modernen zeiten " soll allerdings
nicht bedeuten, dass jeder schlecht angezogene - , pillenverseuchte -
, von lautmusik - konsum malle gemachte - und des sprechens eines zusammenhängenden
satzes unkundige technospack, als geistiger nachfolger des klassischen
mods bezeichnet werden könnte oder dürfte ( ein gesundes stilempfinden
und haltung sind nach wie vor unverzichbar), sie soll aber verdeutlichen,
dass mod heute noch mehr ist als eine realitätsfremde späthippie
- geschichte... mod war der bodensatz für beinahe jede jugendbewegung und musikavantgarde im vereinigten königreich und auch später in mitteleuropa. |
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