garage  
 

 

unter dem eindruck der britischen beat - invasion schnappten sich heerscharen von verwirrten und infizierten amerikanischen vorstadtjugendlichen gitarre und bass, fragten einen langhaarigen typen von ihrer schule, ob er denn schlagzeug spielen könne, und gingen dahin, wo sie niemanden stören würden und von moralaposteln in ruhe gelassen werden würden; in dad`s garage !
der typ aus der schule konnte zwar nicht schlagzeugspielen, aber das war sowieso eine nebensächlichkeit, schliesslich hatte man endlich einen raum, um satanistischen lärm zu machen, mit anderen versagern von der schule bier zu kippen, abgefahrene drogenexperimente durchzuführen und die, auf acid gewonnenen, erfahrungen in form von unverständlichen lyrics und soundeffekten zu verarbeiten.

 
 


the remains live 1965


das ist heutzutage auch nicht anders, allerdings wird mit dem begriff garage nicht nur eine lokalität, sondern vor allem der sound der damaligen vorreiterbands, speziell aus den jahren 1965 - 1967 verbunden.
the stooges z.b., iggy pops 2. band ( iggys 1. band hiess sinnigerweise
the
iguanas ), werden heute noch als eine der definitiven garage - klassiker angesehen, aber auch dem uneingefleischtesten fan dieser musikepoche müsste wohl klar sein, dass iggy und seine jungs ihre 3 LPs nicht in einer garage aufgenommen haben !
die zur linken abgebildete band sind natürlich nicht die stooges, sondern andere götter des sujets: the remains aus boston, gegründet 1964
 
  heutzutage kann sich sozusagen jede band als garage klassifizieren, wenn sie sich nur visuell und / oder soundtechnisch an die mitte bis das ende der sechziger jahre anlehnt, wobei diese jungen wilden vielleicht eher in der waschküche von mutti oder in einem, vom vati ( erbe einer schokoladenfabrik ), volleingerichteten loft - studio proben. wenn man es ganz genau nimmt, müsste man jeweils eigentlich einen neuen begriff prägen, so was wie " waschküchen - hardcore " oder " loft - rock ", aber 1. ist das hier nicht das rolling stone magazine und 2. gehts hier um rockmusik und da muss man nicht alles durchkategorisieren, bis man davon krank wird.
heiterer exkurs: bei heavy metal siehts ein wenig anders aus, wenn man sich da mal einen flyer anschaut, dann spielt die erste band nicht selten " deathmetal mit thrashmetal - einflüssen " , die zweite dann
" thrashmetal mit deathmetal - einflüssen ", die dritte spielt nach eigener angabe unglaublicherweise
" derben knüppel - aus - dem - sack - grindcore mit kehlkopfgesang und finnischen experimentalmusikanleihen " und um die germanistikvorlesung komplett zu machen, lasse ich den headliner nicht unerwähnt: " romantic anal - metal ( kein witz, ich habs gesehn ! ) mit endzeit - crustcore - einflüssen " ( und der thematisierung von snuff - porno - klappentexten ? ). die namen der bands und festivals sind dann auch noch derart kompliziert und unlesbar, dass man irgendwie froh ist, wenn man sich ne garage band reinzieht, welche von sich behauptet, musik im stil von den stones, der chocolate watchband und den kinks zu machen. exkurs ende
 
  the fuzztones ( gegründet
1980 in new york ) waren,
zusammen mit den cynics und den miracle workers eine der ersten und wichtigsten garage revival bands der 80er jahre, welche sound und style der
mid - 60s perfekt kopierten
zurück in der garage merkt man allerdings, dass auch die heile welt der 60er immer komplizierter geworden ist, eventuell nicht ganz so verkompliziert bis zur selbstkarikatur, wie in der metalecke, aber nicht weniger facettenreich: neogarage, 80s garage revival, garagepunk, etc... man könnte weiterführend noch alles dranhängen was sich parallel dazu entwickelt hat: psychedelic, acid punk, punkrock - endlos lange listen lägen vor uns ausgebreitet...
schön, wenn man sich was darunter vorstellen kann, aber auch nicht ganz unkompliziert für denjenigen, der sich nicht 24 stunden am tag mit musikkategorien beschäftigt.
doch genug davon. naiv betrachtet kann man sagen, dass garage sowas wie das gute gewissen, der ehrliche bodensatz, das substrat des modernen rock`n`roll ist, das bindeglied zwischen schwarzer tradition ( blues ) und weisser avantgarde ( punk ). vorsicht: idealvorstellung.
 
 

wer das deutsche rolling stone oder den blöden musikexpress durchliest, dem werden eine menge lügen verkauft, wie z.b. " garagerock ist wieder da ", oder eine mittelmässige truppe wie " the strokes sind eine garageband", oder eine chronographische abhandlung des garagerocks wird dargeboten, bei der die hälfte der wichtigen bands einfach fehlt.
tatsache ist, dass garagerock nie weg gewesen ist, rock ist nie weg gewesen, aber jetzt kann mans wohl wieder verkaufen, weil: rock ist wieder cool. tja, in romantischen kategorien gedacht, ist garagerock die musik der jugendlichen, möglichst unverfälscht und wild, aber die musikindustrie ist in ihrem bemühen, den markt der bands abzugrasen, geld zu machen und die qualität der musik zu panschen, immer professioneller und schneller geworden. dennoch und ungeachtet dessen wird der krach in der garage niemals abebben...

der garagesound hat viele götter hervorgebracht, natürlich kann auch meine liste nicht vollständig sein, aber ich stelle im folgenden die namen meiner subjektiven helden des 60er garage sounds auf, diese bands gehörten zu den ganz grossen: the sonics, the wailers, the standells, the leaves, the seeds, the count five, the castaways, the music machine, chocolate watchband, the kingsmen, the sparkles, the electric prunes, the remains, the swamp rats, the lost, the outsiders, the pretty things, the shadows of knight, iggy & the stooges, calico wall, gonn, the del - vetts, the brogues, etc...
nicht alle dieser bands sind aus den usa, denn normalerweide ordnet man den garagesound eher den amerikanischen gruppen zu, zur gleichen zeit gab es natürlich auch englische gruppen die diesen sound spielten, wie die in der liste erwähnten pretty things, oder die niederländischen outsiders, doch der englische sound ist unvergleichlich weicher und psychedelischer, die englischen les fleur de lys sind ein gutes beispiel für den englischen sound, der, wie schon gesagt, zwar weicher und drogenbeeinflusster ist, jedoch aber auch beatlastiger und auf tanzbarkeit produziert, allgemein spricht man bei diesem englischen phänomen dann eher von freakbeat als garage.
das 80er jahre garage revival wird von musikmagazinen gerne vergessen, doch die 80er jahre bands sind, zusammen mit einigen punkrock kapellen, auf jeden fall zu erwähnen: the fuzztones, the miracle workers, the cynics, the chesterfield kings, the creeps, the sick rose, the clash, dead kennedys, television, etc... ausserdem wären ohne das engagement von menschen, wie dem fuzztones - sänger rudi protudi, so manches hervorragende stück musikgescjichte in vergessenheit geraten.
in deutschland hat sich ab der 90er jahre eine szene guter bands gebildet, welche den garage sound in perfektion rüberbringen, aktuelle knaller sind z.b.: the satelliters, los banditos, the hara kee rees, the trashmonkeys, uvm...
besonders italien und spanien haben immer schon eine riesige sixties revival szene gehabt, dort finden sich heutzutage massenhaft gute garage combos.

die zukunft des garagerocks steht in den sternen, garagerock wird heutzutage wieder gerne gehört und gespielt, überschneidungen und vermischungen mit anderen richtungen sind gut möglich und kommen oft vor. auch kommerzielle bands, die heutzutage populär sind und chartnotierungen verbuchen können, fröhnen diesem sound und haben ihn teilweise weiterentwickelt: mando diao, the (internatinal) noise conspiracy, the hives, the coral, mudhoney, the vines, sogar nirvana hat einen deutlichen garage einschlag gehabt.
grundsätzlich kann sich der garagesound nur durch kombination mit moderneren stilen weiterentwickeln, ob das wünschenswert ist, ist jedoch die frage, schliesslich ist garage eine anachronistische rockmusik, die nicht nach den massstäben von perfektem hifi sound oder moderner vermarktbarkeit gemessen werden kann.
das war auch in den 60ern schon so ! wer kommerzielleren sound bevorzugte, der hörte eher bands wie the byrds, lovin' spoonful, jefferson airplane, them, buffalo springfield oder the monkees, wobei man nicht behaupten kann, dass eine band wie the monkees schlechte musik gemacht hätte, nein, es war aber ein völlig anderer, und viel kommerziellerer, sound. das ist alles.

garagerock und später punkrock boten und bieten jungen musikern das, was keine andere musik bieten kann; einige wenige akkorde lernen reicht aus und mit einem einfachen, primitiven sound können grosse ergebnisse erzielt werden, ohne geigenstunde oder eine hochschule besuchen zu müssen. ( zugegeben: mit einem laptop lassen sich auch ruckzuck technostücke entwerfen ). für buddy holly war rock`n`roll die möglichkeit, mit nur drei mann und ohne grosse ausbildung zum virtuosen " einen sound zu machen, der lauter war, als ein ganzes orchester "! das war der spirit und das ist der spirit! rock on!