Auszüge aus der
Grundsatzerklärung und dem päd. Konzept
Das von der Vollversammlung des IK am 5.10.1993 verabschiedete Konzept für die basisdemokratische und selbstverwaltete Arbeit im Haus Spilles soll im folgenden vorgestellt werden. Bevor jedoch auf die pädagogischen Zielsetzungen im einzelnen eingegangen wird, sollten die Grundsätze für die Arbeit im Haus Spilles noch einmal kurz vergegenwärtigt werden, denn auf der Basis dieser baut sich die gesamte Arbeit auf.
Selbstverwaltung
Im Haus Spilles wird selbstverwaltet gearbeitet. Selbstverwaltung in diesem Zusammenhang bedeutet, daß auf der Grundlage basisdemokratischer Prinzipien die Kinder und Jugendlichen, die das Haus besuchen weitgehend selbst bestimmen, was im Haus Spilles angeboten wird und wie man miteinander arbeitet. Selbstverwaltung bedeutet Flexibilität für das Haus Spilles. Wichtige gesellschaftspolitische Grundsätze stehen allerdings trotz Selbstverwaltung und Selbstbestimmung im Haus Spilles nicht zur Disposition; im Gegenteil, sie sind Teil der Zielsetzungen, die im Haus Spilles durch die pädagogische Arbeit erreicht werden sollen.
Der Initiativkreis "Jugend in Benrath" e.V. hat sich für seine Arbeit als Träger der Jugendfreizeiteinrichtung Haus Spilles folgende allgemeine Ziele gesetzt.
- Gleichberechtigung aller BesucherInnen
- Mitverantwortung und Mitarbeit bei politischen, gesellschaftlichen und ökologischen Problemen
- Kreativität und Persönlichkeitsentwicklung als Gegenpol zu einer unkritischen Konsumhaltung.
- basisdemokratisches Selbstverständnis
Aus diesen grundsätzlichen ideologischen Standpunkten soll sich im Haus Spilles eine pädagogische Arbeit entwickeln, die neben (und mit) allem Spaß versucht, im Umgang miteinander, durch die Auswahl der Angebote, durch basisdemokratische und pädagogische Strukturen und Maßnahmen, Kinder und Jugendliche und darüber hinaus die BewohnerInnen des Stadtteils zu erreichen und zu aktivieren.
Zur Erreichung seiner Ziele setzt der IK sich verschiedene Schwerpunkte in seiner pädagogischen Arbeit. Als ersten und wichtigsten Schwerpunkt hat der IK seine Vorbildfunktion wahrzunehmen. Durch seine offene Struktur bei der Trägerschaft soll der IK seine Ziele den BesucherInnen vorführen. Dies wird aber nur durch eine Transparenz des Vereins erreicht.
Das soziale Verhalten in der Gruppe
Der Umgang miteinander, in Gruppen, auf Sitzungen und im offenen Bereich, ist ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit. Wenn wir die in der Einleitung genannten Grundsätze als Basis unserer Arbeit ernst nehmen, müssen wir sie nicht nur politisch, sondern auch auf der zwischenmenschlichen Ebene umsetzen. Dies wird erfahrungsgemäß vielen BesucherInnen am Anfang schwer fallen, und muß daher regelrecht geübt werden.
Im Vordergrund steht dabei die Erziehung zur Kritikfähigkeit. Wer es nicht gewöhnt ist, das seine Stimme gehört wird, wird nach und nach die konstruktive Kritik an Menschen und Dingen gegen eine resignierte Null - Bock Stimmung eintauschen.
Um gesunde Selbstkritik üben zu können, ist ein positives Selbstwertgefühl nötig; nur wenn mir Kritik an mir selber nicht sofort den Boden unter den Füßen wegzieht, bin ich bereit sie zuzulassen und auch selbst an mir zu üben. Daher sind bei der Erziehung zur Kritikfähigkeit zwei Aspekte wichtig: zum einen muß zur Kritik an Umständen und Dingen ermuntert werden, zum anderen muß der/die Einzelne in seinem Selbstwertgefühl so weit gestützt werden, daß Selbstkritik möglich wird. Eine schnelle Umsetzung der Kritik an Umständen im Haus Spilles macht Mut zu weiterem Engagement.
Die pädagogischen Zielsetzungen
Kinder und Jugendliche sind nicht immer sofort bereit, Anregungen und Ideen von anderen, besonders Erwachsenen, anzunehmen. Einerseits ist das gut so; denn bevor sie Anregungen und Meinungen übernehmen, sollten sie diese für sich überprüfen. Das Problem ist nur, daß viele Kinder und Jugendliche fremdbestimmt denken und handeln, ohne dass ihnen dies bewußt ist. Symptome dafür sind eine Konsumhaltung gegenüber der Außenwelt, Unlustgefühle, Resignation, oder auch Depression. Eine Vielzahl von sozialen und anderen Ursachen führt auch bei Kindern und Jugendlichen, die nicht in Extremverhältnissen leben müssen, zu einer verringerten Bereitschaft, sich verantwortungsvoll sich selbst und anderen gegenüber zu verhalten. Allgemeine Lustlosigkeit, Null - Bock, das Gefühl, Engagement bringt nichts, wird bei diesen Besuchern erst einmal eine abwartende Haltung dem Haus Spilles gegenüber auslösen. Gemeinsam gilt es zu lernen sich für andere zu engagieren. Es wird angestrebt, die Kommunikation zu verbessern zwischen Generationen und Standpunkten und die Toleranz im Umgang miteinander zu fördern. Üblicherweise hilft Kindern und Jugendlichen nur die Abgrenzung von der älteren Generation, wenn sie das vorherrschende Kräfteverhältnis aufbrechen wollen, und in ihren Aktivitäten und Meinungen ernst genommen werden. Das Haus Spilles ist die Umgebung, in der das übliche Kräfteverhältnis umgekehrt werden kann, ohne das Kinder und Jugendliche den Rest der Umwelt einfach ausblenden müssen. Hier sind sie Mittelpunkt.
Um an den oben genannten Problempunkten anzusetzen, müssen die BesucherInnen zuerst eine Beziehung zum Haus und den MitarbeiterInnen aufbauen. Nur wenn BesucherInnen sich mit dem Haus Spilles identifizieren können, werden sie Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem Haus entwickeln. Und nur wenn BesucherInnen durch regelmäßigen Kontakt Gelegenheit bekommen, engere Bindungen zu anderen aufzubauen, wird es zur Motivation zu ehrenamtlicher Mitarbeit und Unterstützung, sowie zur Teilnahme an basisdemokratischen Entscheidungsprozessen kommen. Dies aber ist notwendig für das basisdemokratische Konzept des Hauses, und die Basis einer persönlichen Weiterentwicklung der Kinder und Jugendlichen.
Nur so lassen sich letztendlich die allgemeinen Zielsetzungen des Haus Spilles auch auf gesellschaftlicher Ebene verfolgen. Bevor also einE BesucherIn im Haus Spilles lernt, kritischer mit der Gesellschaft umzugehen, muß er oder sie die notwendigen Einstellungen und Verhaltensweisen im Haus Spilles selber erproben. Dies geschieht durch eine emotionale Bindung an das Haus, die MitarbeiterInnen, und an andere BesucherInnen im Haus.
Gesellschaftliche Zielsetzungen im pädagogischen Konzept
Selbständig denken, ein Bewußtsein entwickeln für politische, gesellschaftliche und ökologische Probleme - das ist ein Ziel der Arbeit im Haus Spilles. Wir wollen politischen und gesellschaftlichen Widerstand gegen Faschismus, Nationalsozialismus, Nationalismus, Rassismus und Sexismus ebenso fördern wie die Gleichberechtigung aller Menschen. Eine alternative Freizeitbewältigung und -gestaltung sowie die Relativierung des Konsumverhaltens und ein vernünftiger Umgang mit Drogen sind weitere Ziele, die im Haus Spilles umgesetzt werden sollen. Zunehmende Durchdringung der Gesellschaft von rechten Ideen, unkritischer und z.T. gefährlicher Medienkonsum, kritikloser Gebrauch von vorgegebenen Denkschablonen: das ist die Lebenswelt vieler Kinder und Jugendlicher. Um dagegen anzugehen, soll im Haus Spilles diskutieren gelernt werden; zu bestimmten auch politischen Themen soll gearbeitet werden. Referenten sollen bei Bedarf zu bestimmten Themen eingeladen werden, um vertiefte Informationen zu geben. Auch in der Öffentlichkeit sollen die Standpunkte, zu denen die BesucherInnen im Haus finden, vertreten werden.
Das Haus Spilles soll eine Adresse in Benrath sein, die in der Politik der Stadt ihren Platz hat.
Die Schulen sollen das Haus Spilles als eine Möglichkeit verstehen, die SchülerInnen im Stadtteil zu engagieren und politisieren. Und bei all dem soll der Spaß nicht ins Hintertreffen geraten. Jedes Thema eignet sich bei kreativem Zugang zu politisch engagierter und interessanter Freizeitgestaltung.
Ein tieferes Verständnis für die gesellschaftlichen Zusammenhänge, in denen wir uns bewegen, eine undogmatische kulturelle und politische Bildung und der kritische Umgang mit Medien, interkulturelle Arbeit, möglicherweise auch mit AnsprechpartnerInnen im Ausland sind Zielsetzungen, bei denen die Arbeit des/der Einzelnen Wirkungen über ihn hinaus schafft.

